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Martin Kreim - Occupied
Martin Kreim wählte für die gegenwärtige Ausstellung “Occupied” einen Titel, die seiner neusten Bilderreihe einen mehrdeutigen Charakter verleiht.
Dargestellt werden in seinen Bildern Menschen, die „beschäftigt“, aber gleichzeitig auch „besetzt“ oder „durchdrungen“ sind von den sie ständig umgebenden Situationen des Alltags. Diese Alltagssituationen wiederum sind „besetzt“ mit Dingen, Gegenständen, Gebäuden, die Plätze für sich beanspruchen, die manchmal einen bestimmten Zweck erfüllen, manchmal aber einfach auch nur raumfüllend wirken.
So findet sich der Betrachter konfrontiert mit Szenen aus dem Friseurleben, dem Einzelhandel, aber auch mit häuslichen Szenen aus Küche und Bad. Der Mensch ist bei Kreim ein durch den Alltag gefangenes Wesen, beschäftigt oft nur mit Belanglosigkeiten, die letztendlich sein ganzes Leben bestimmen: Waschen- Kochen- Einkaufen- Körperpflege. Kreims Programm steht im Kontrast zur vorgegaukelten Reklame- und Glamourwelt und sucht die Harmonie zwischen dem Menschen und seiner Alltags-Situation. Dieser Einklang wird durch eine harmonisierende Farbwahl unterstrichen.
Kreim agiert aber auch als Reflektor unserer Zeit: Nicht nur, dass ihn Spiegelungen immer wieder faszinieren, und er diesen Zauber in seinen Werken festhält. Kreim vermag uns auch einen Spiegel vorzuhalten, der den uns selbst oft sehr unbedeutend, grau und nichtig erscheinenden Alltag in frohen Farben erstrahlen läßt. Dass wir „beschäftigt“ und „gefangen“ in unserer Welt sind, darf hier also auch durchaus positiv verstanden werden.
Stilistisches Neuland betritt Kreim mit seinen „Kasse-Bildern“. Realismus und Abstraktion in Form eines nur angedeuteten Raums stoßen hier aufeinander, ähnlich wie in belanglos- realistischen Alltagssituationen, wenn der Mensch diese nur mittels einer metaphysischen Kraft oder abstrakter Gedanken zu überwinden vermag. So positiv der Strudel des Alltags bei Kreim auch dargestellt sein mag, er sieht in ihm nicht den letzten Sinn aller Dinge, sondern appeliert an das Bedürfnis des Menschen, seine irdische Befangenheit oder Gefangenschaft zu überwinden.
Dr. Kunkler
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